Lehre

Das Lehrkonzept der Professur geht davon aus, dass Kunst eine eigenständige Form der Auseinandersetzung mit Wirklichkeit ist und ihre größte inspirative Kraft auf benachbarte Disziplinen gerade dann entfaltet, wenn sie keinen vorab definierten Zwecken untergeordnet wird. Ihr Paradox, nämlich «zweckmäßig ohne Zweck» oder «methodisch-unmethodisch» zu sein, lässt sich im Rahmen eines Architekturstudiums sowohl als Irritation wie auch zur Reflexion des eigenen Kunstanspruchs produktiv nutzen.

Wiewohl Kunst in vielfacher Weise mit Gestaltung zu tun hat, geht sie doch in dieser nicht auf. Ihr «Handwerk» ist ein anderes. Von den primär an Gestaltung orientierten Praktiken unterscheidet sie sich vor allem darin, dass sie keinen spezifischen Gegenstand und kein festliegendes Repertoire technischer Mittel besitzt, sich vielmehr sowohl der Gegenstand wie die eingesetzten Mittel aus den je besonderen Erfordernissen einer Idee oder eines Konzeptes ergeben. Diese Besonderheit gilt es den Studierenden nahe zu bringen und im Begriff künstlerisches Denken auch methodisch herauszuarbeiten.

Die Orientierung des Lehrkonzepts an den Massgaben eines erweiterten Kunstbegriffs bedeutet, dass die Grenze zwischen Produktion und Rezeption, zwischen Aktion und Reflexion in vielfacher Weise durchbrochen werden muss. Die Vermittlung technischer Fertigkeiten ist deshalb von Anfang an eingebettet in einen bildtheoretischen Diskurs, dessen zentrale Frage lautet: Wie funktionieren Bilder in einer «ästhetisierten» Wirklichkeit?

Die Studierenden sollen sensibilisiert werden für die ästhetische Dimension ihrer alltäglichen Umgebung und in konkreten Aufgabenstellungen lernen, mit adäquaten Mitteln darauf zu reagieren. Die Schulung des Wahrnehmungs-, Vorstellungs- und Ausdrucksvermögens ist integraler Bestandteil eines Unterrichts, bei dem der Erwerb kreativer Strategien nicht losgelöst gedacht ist von der Reflexion gesellschaftlicher Zusammenhänge.